Freitag, 16. Juli 2010

"Beach Boys" auf Teneriffa

Mike Love beendete die heurige Europatournee mit seinen Jungs auf Teneriffa. Wie es scheint, hatte auch sie das WM-Fieber gepackt - sie koordinierten den Auftrittszeitpunkt ihres Konzertes mit dem Abpfiff des Spieles Spanien - Deutschland.

RKH aus M. war vor Ort dabei und schrieb bei myheimat.de einen nicht gerade wohlwollenden Artikel über die Band, der mir beim ersten Lesedurchlauf doch ein wenig aus der Seele sprach. Dies liegt vermutlich auch an einer gewissen Eitelkeit, hatte sich RKH doch die Mühe gemacht die ersten drei Absätze ungeküzrt von einem meiner Texte zu übernehmen, welche ich über die Jahre hinweg im Netz platziert hatte.

Als Randnotiz zu der Europatournee kann man erwähnen, dass die Jungs "Bluebirds over the mountains" wieder in das Programm aufgenommen haben, der Rest sich allerdings nur maginal von dem unterscheidet, was in den letzten Jahren gespielt wurde.

Natürlich kann man nun geteilter Meinung sein. ist es notwendig das Mike Love - der mitlerweile doch schon auf die 70 zugeht, noch immer den ewig jungen Sunny-Boy und Surfer spielt, der er nie war? Das er weiterhin mit der ersten Reihe seines Publikums spielt, das - wie vor 49 Jahren - noch immer aus jungen Teenagermädchen besteht? Er diese danach auf die Bühne holt und mit ihnen tanzt? Die Antwort dazu ist natürlich zwiespältig.

Ein Fakt ist, dass Mike Lover DER Frontmann der Gruppe war und immer gewesen ist. Eine lustige Ansage während den Stücken, ein Scherz auf den Lippen, ein Moderator der durch das Programm führte, ein Aushängeschild - der in den letzten Jahren fast seinen gesamten Kredit bei den Fans verspielt hat, was natürlich vor allem auf die gerichtlichen Auseinandersetzungen zurückzuführen ist, welche er mit den ehemaligen Bandmitgliedern hatte.

Viele Fans halten Mike Love bis heute vor, dass er unter den Namen "The Beach Boys" weiterhin auf Tournee geht, obwohl er das einzige Gründungsmitglied ist, und keiner der Wilson-Brüder mehr mit ihm auf der Bühne steht. ich war einer jener Menschen, die ihm das lange Zeit vorwarfen. Zum Umdenken brachte mich erst die Tatsache, dass Mike - nach Carl Wilsons Tod 1998 - weiterhin auf Tournee gehen wollte, allerdings mit einem Ablegernamen als "American Band", welche die Beach Boys zweifelsohne waren und sind. Leider rentierte sich dies nicht - das Management konnte für 1998 nur 8 Termine für Live-Shows fixieren, von denen die Hälfte Las-Vegas-Shows waren und drei wegen mangelnden Vorverkauf wieder storniert wurden. Erst dort fragte Mike Love bei Brother Records an, den Namen "Beach Boys" weiter verwenden zu dürfen. Seitdem tingelt er eben seit nunmehr 12 Jahren durch die Welt, spielt bis zu 150 Shows im Jahr, und lebt recht gut davon. Nicht nur er alleine, auch seine ehemaligen Bandmitglieder naschen an den Lizierungsrechten mit. Somit eine Win-Win-Situation.

Warum also die Aufregung? Die personellen Entscheidungen von Mike Love waren nicht immer die besten. Bis vor kurzem klang Love´s Band wie eine "Jukebox", welche die Songs als einziges Medley hinunterspielte, dazu fremde Menschen, die mit den Beach Boys nichts zu tun hatten, Lead-Stimmen übernahmen. Mitlerweile ist Love´s Touringband auf sieben Mitglieder geschrumpft. Mit dabei ist nun auch Christian Love, welcher für etwas mehr "Beach Boys Blut" in der Gruppe sorgt. Auch Bruce Johnston bringt sich vermehrt in die Gruppe ein. Und seitdem Randell Kirsch in der Band spielt - der übrigens in den 70/80er Jahren in diversen Bands mit Jeffrey Foskett spielte, der selber lange mit den Jungs auf Tournee ging und heute musikalischer Direktor der Brian Wilson Band ist - und "Micky Mouse" Adrian Baker in Pension gschickt wurde, kann man die Band als durchaus "hörbar" bezeichnen.

Auf der anderen Seite hat RKH aus M natürlich auch recht. Die Band, die wir einst so liebten, gibt es heute nicht mehr. Mike Love´s Solotour ist kein wirklicher Ersatz, obwohl er in den letzten zwei Jahren etwas mehr an Würde gewonnen hat. Und Mike Love ist so ein tüchtiger Geschäftsmann, dass er im Jahr 2010 noch immer 150 Konzerte weltweit mit einer Gruppe spielen kann, die es seit 12 Jahren nicht mehr gibt und die seit 17 Jahren kein neues Material mehr veröffentlicht hat. Womit ich wieder auf den ersten Punkt zurück komme: Er IST der charismatische Frontmann der Band.

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